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Evangelos Papadopoulos

 

Das Wort "träumen" steht nicht auf der Liste der Stichpunkte, die Evangelos Papadopoulos notiert hat, um seine bildhauerische Arbeit, die er seit 2009 betreibt, begrifflich zu umkreisen. Und doch changieren seine Rauminstallationen

zwischen faszinierender Fremdheit und rätselhafter Vertrautheit, wie man dies

nicht zuletzt von starken Traumbildern kennt. Wörter wie "Intuition / Rhythmus 

/ Aktion / Bewegung" oder "fließen / wachsen / entfalten" deuten auf eine Auffassung von Skulptur, der zufolge sich die Werke idealerweise in einer überschäumenden Dynamik selbsttätig im

Raum ausbreiten, wobei ihre Formen sich

mit der gleichen Selbstverständlichkeit verströmen sollen wie Wasser oder sich organisch im Raum ausbreiten wie eine wuchernde Pflanze. Aus diesem Ansatz ergeben sich Strukturen voller Bewegung,

überaus komplexe und expressive Formen, die wie erstarrte Wirbel im Raum stehen oder wie Brandungswellen, die sich an der Decke brechen, trichterförmige Hän-gestrukturen, von unzähligen Lamellen bedeckte Kokons, Bauten, die aussehen wie aus Schwemmhölzern geschichtet und aus denen sich Tentakel recken oder Pro-tuberanzen hervorschießen...

Die Arbeiten von Evangelos Papadopoulos bestehen in erster Linie aus Gipskartonplatten, die miteinander verschraubt und auf hölzerne Gestelle montiert sind und bei Bedarf durch Ketten oder Stahlseile gesichert oder von dünnen Eisenstangen über Bodenniveau gehalten werden.

Da die Installationen zwar materiell an die Räume, in denen sie sich befinden, gebunden sind, ihnen zugleich aber drastisch widersprechen, indem sie diese funktional außer Kraft setzen und gewissermaßen mit ihrem Anderen (Emotionalität statt Funktion, Fantasie statt Normalität usw.) konfrontieren, gewinnen Papadopoulos' Arbeiten eine geradezu halluzinatorische Kraft, sie beschwören ein Potenzial von emotional geladener Raumenergie, die sich nicht auf den Begriff bringen lässt.

Auszüge aus der Einführung in die Ausstellung Evangelos Papadopoulos | Installation, 2011 von Dr. Peter Lodermeyer, Kunsthistoriker und freier Autor, Bonn

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