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Jochen Stenschke

 

Jochen Stenschke arbeitet mit Widerspruch und Widerstand. So verwendete er jahrelang halbtransparentes PVC, das als Schicht seiner Untermalungen und Unterzeichnungen sozusagen "weichzeichnete" oder nutzte das biegsame PVC für dreidimensionale Modelle endloser Verschlaufungen.

Im Jahr 2000 beginnt er, Altöl als Werkmaterial für sich zu entdecken, nachdem er zuvor bereits mit gesättigtem Leinöl gearbeitet hatte, dessen gelbliche Farbigkeit den zeitgleich entstehenden PVC-Arbeiten entgegenkommt.Das schwarze Altöl ist ungleich schwerer zu bearbeiten, lässt es doch keine linearen Strukturen zu. Dafür kann der Künstler jetzt mit Masse und Volumen umgehen – und der Eigendynamik des Materials das in seinem etwas 14tägigen Entwicklungs- und Trocknungsprozess sich weiter ins Papier "hineinfrisst" und membranartige, zartgraue Höfe entwickelt. Ein Prozess, den der Künstler beobachtet, in den er eingreift, indem er wachshaltige Kreide und speckige Kohle sozusagen als Bremsen einsetzt, die das Weiterfließen, die von ihm so bezeichneten "Ausfällungen" stoppen.

Die sehr körperhafte Herangehensweise des Künstlers, der von oben, sozusagen in der Draufsicht, und danach aus der Seitenan-sicht heraus arbeitet, prägt sich in den 

Arbeiten als quasi topografische Über-sicht, kombiniert mit einem Vertikal-schnitt aus.

Den Widerstand und die Eigendynamik, die ihm das Material entgegensetzen, nutzt Jochen Stenschke als Katalysator seines Malprozesses. Ihm geht es nicht um ein irgendwie geartetes Abbild, nicht um eine Dingästhetik, sondern um eine Handlungsästhetik. Die Bewegung, der Rhythmus, das Fließen bestimmen seine Arbeit, die, wie er sagt, häufig mit einem quasi somnambulen Ertasten des Papiers, seiner Größe und spezifischen Materialqualität beginnt.

Jochen Stenschke | Hinclaque II, 2011

Auszüge aus einem Text von Christiane Heuwinkel, Kunstforum Hermann Stenner, Bielefeld 

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