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Matthias Müller

 

In seinen neuen Arbeiten begibt sich Matthias Müller auf eben jenes spannende Terrain der Chat Rooms, die heute im Web2.0 per Webcam-Stream sogar live in die privaten Räume der Beteiligten führen. Dabei fokussiert er eine spezielle Sphäre des Internet, in der die Selbstporographisierung der Akteure im Mittelpunkt steht. Bei der virtuellen Kontaktaufnahme zwischen Akteur und Zuschauer geht es um die Intensivierung des sexuellen Erlebnisses. Dabei mag sich die Übertragung in Echtzeit über Stunden erstrecken, manchmal über Tage, sodass der Stream der Spiegel des Altags wird. Müller hat diese Selbstinszenierungen bis zu jenem Punkt verfolgt, in der die Akteure die Szene verlassen. 1500 Screenshots hat er binnen eines Jahres von diesen menschenleeren, zum Teil desolaten Räumen geschossen. Sie bilden das Archiv, aus dem die Arbeiten dieser Ausstellung hervorgegangen sind.

In einer Zeit, in der das Analoge verloren geht, leisten Müllers "Chat Rooms" die Trauerarbeit für eine Gene-ration, die beide Epochen kennt. Zugleich schließt die Kombination von Digitalfotografie privater Räume und ihrer Rückführung ins Analoge zwangsläufig an die Tradition der Gattung historischer Interieurs an. 

Auszug aus der Einführung in die Ausstellung Matthias Müller | Chat Rooms, 2016 von Kristina Tieke, Kunstkritikerin, Hannover

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