• Galeristin GUM

Besuch bei Gereon Inger in seinem Frei-Licht-Atelier hinter dem Bahnhof

Ein Feiertag im Mai bei strahlend schönem Sonnenwetter. Ideales Ausflugswetter. Ich nutze den Tag und besuche Gereon Inger, den Künstler der nächsten Ausstellung in der Galerie GUM in seinem temporären "Frei-Licht-Atelier". Ein Atelier für einen Tag.

Er hat Kamera und Stativ über einer Zigarrenschachtel mit bemalten Tickets und Fahrkarten aufgebaut und blättert alle 11 Minuten für das nächste Foto weiter.

Die 84 kleinformatigen Aquarelle zeigen in sich ruhende Menschen, deren Vorlagen er aus Reisebüchern, Illustrierten und der Ethno-graphie des letzten Jahrhunderts ausgewählt hat. Er erzählt mir: "Ich habe sie in meiner Akademiezeit und danach gemalt - in besonderen Momenten der Nähe zu diesen verlorenen Gesichtern und fremden Erinnerungen. Mit so einer melancholischen Ironie am Ende der Achtziger, als sich alle Formen und sicheren Bezüge auflösten - und mit den riesigen Formaten der neuen wilden Akademiker im Nacken. Auf Reisen hatte ich immer so eine Schachtel mit Miniaturen dabei und habe sie ab und zu Leuten am Bahnhof gezeigt." Und nun ist er mit diesen Bildern einen ganzen Tag lang an einem Bahnhof. Zwischendurch sammelt er kleine Steine in der Umgebung, die systematisch nach und nach kreisförmig um die Schachteln mit den Bildern ausgelegt werden, zu seiner "privaten Sonnenuhr".

Sein Konzept für diesen Tag besteht darin, in der Aktion am Bahnhof noch einmal so viele dieser frühen Arbeiten wie möglich in einer Fotoaktion von Sonnenaufgang bis -untergang zusammenzufassen. Mit jedem Foto wandert die Sonne weiter und man sieht die Prägungen, Schatten und Lagen der Bilder. Manchmal weht der Wind alle Kärtchen an der Bahn entlang und bringt die schöne Chronologie durcheinander.

Zur Ausstellung in der Galerie GUM soll daraus ein Künstlerbuch entstehen.

0 Ansichten

© 2020 Galerie GUM - Weststr. 66 - 33615 Bielefeld   | erstellt mit wix.com