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Reiner Tintel

 

Der Künstler und sein Material. Nein, er ist kein Baudelairescher Flaneur oder Lumpensammler, derart hochgezogenem Spiritualismus ist Tintel abhold. Erdnäher folgt seine Material-genese dem in der kulturalistischen Kunsthistorie jüngst wieder starkgemachten "Gebot, auch das unscheinbarste Gebilde ernst zu nehmen" , er geht offenen Auges durch die Straßen, dennoch heischt etwas eher vorbewußt-subliminal Aufmerksamkeit; ein Farbkontrast, ein typografisches Profil, eine auffällige Figuration und wird möglichst sofort auf etwaige Verwertung hin, wie Tintel sagt, "gesichert".

Tintel hat damit eine breite Tradition der Moderne im Rücken, die sich ab ca. 1910 nicht nur anschickte, Materialist wieder sprechen zu lassen, sondern bald auch dazu überging, noch den Müll-Wert in Kunst zu transformieren.

Die große Klebearbeit. Probleme mit der Bildfüllung, wie sie noch der analytische Kubismus(...)hatte, sind hier nicht mehr greifbar. Tintels Arbeiten sind dicht. Wurden 'wacklige' Zonen früher gelegentlich noch mit Farbe überbrückt, so operiert er heute nur noch mit Fundsache und Kleistereimer. Die größerformatigen Klebearbeiten werden nicht konzeptuell entworfen, sondern verlangen gleichermaßen Vollzugselastizität als auch Struktur-sensibilität namentlich des Bildaufbaus, da sich Tintel durch sein Register und die kaum vorhandene Revisionsfähigkeit doppelt beschränkt: Einmal Überklebtes ist definitiv verschwunden, öfters schon waren vollzogene Schritte später zu bedauern.

Schließlich und überraschend besteht Tintel auf den Werkcharakter seiner großen Klebearbeiten.

Auszüge aus der Einführung in die Ausstellung Reiner Tintel | Roxy, 2013 von Dr. Ingo Meyer, Literaturwissenschaftler

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