theYoung

 

Postmoderne Philosophen und Philoso-phinnen wie Judith Butler heben die Erzeugung von Identitäten durch sprachliche Raster hervor, kritisieren aber auch, dass die Schablonen in unserem abendländischen denken sehr eng gefasst sind, dass sie den zahlreichen Verschiebungen und Veränderungen, die durch Wiederholungen eben auch stattfinden, nicht gerecht werden, das sie starr, gewaltvoll und normierend sind, da sie Uneindeutigkeiten und Unbestimmbarkeiten in den Identitäten ausblenden. (...)

Die Arbeiten von Tim Young bedienen sich der Wiederholung: Sie zeigen, wie Identitäten und Bedeutungen immer auch durch bestehende Raster und Ordnungen produziert werden, aber sie verdecken weder das Produktions-Prinzip der Wiederholung, noch blenden sie die Unklarheiten und Uneindeutigkeiten, die dabei produziert werden, aus – im Gegenteil: sie machen sie zum Programm.

Die gesprühten Schablonen von Tim Young haben keine scharfen Ränder, die Schablonengrenzen changieren zwischen mehreren Farben und öffnen sich. Ja, selbst die vermeintliche Grenze zwischen Bild und Untergrund wird in Frage gestellt. Vor allem aber zeigen die Arbeiten von Tim Young Brüche und Widersprüche auf und wenden sich dabei genau gegen die Vorstellung von einer Eindeutigkeit und Reinheit von Aussagen und Bedeutungen.

Auszüge aus der Einführung in die Ausstellung theYoung | Oh Happy Grey, 2008 von Prof. Dr. Melanie Plößer,

Fachhochschule Bielefeld

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Ich persönlich habe jedoch das Gefühl, dass die Schablonenarbeiten von theYoung in einem weitaus formaleren, fast wissenschaftlichen Bereich angesiedelt sind (und das ist übrigens ein Kompliment!). In vielerlei Hinsicht passt sie perfekt zur Definition des Formalismus. So oft werden Objekte rein alltäglicher Natur oder aufgrund ihrer strukturellen Besonderheiten ausge-wählt, in einzelne Schichten zerlegt, freigelegt, um ihr Inneres zu enthüllen. Sie erkunden den Grenz-bereich zwischen zwei und drei Dimensionen in der visuellen Darstellung und werden durch die alche-mistische Kombination von Computer-technologie und menschlicher Vorstellungskraft durchsichtig gemacht.

(...)TheYoungs Prozess, durch den er zu seinem endgültigen Werk gelangt, bewegt sich im Grenzbereich zwischen digital und analog. Tim verbringt viel Zeit damit, anhand von Fotografien und Bildern digitale Gerüste, Modelle und Muster vorzubereiten, die dann ausge-druckt und in Schablonen geschnitten werden, wobei die Reihenfolge, in der die Farbschichten aufgetragen werden müssen, akribisch festgelegt wird. Die Ergebnisse können unbeständig und unvor-hersehbar sein, und hier zeigt sich das Element der menschlichen Interaktion, des Handwerks und der Intelligenz. 

Auszüge aus der Einführung in die Ausstellung theYoung / Katrin Stallmann

WEAR & TEAR 2021 von Chris Jones

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